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Wenn der Tod an die Tür klopft und das Leben auf den Kopf stellt

Ich bin Farah, 28 jährige Mutter einer Tochter, vegane Bloggerin und selbstständige Online Unternehmerin. Mein Leben ist alles andere als geradlinig verlaufen und auch heute stehe ich wieder an einer Wegkreuzung.

Wenn ich gefragt werde, wie ich zu meinem heutigen Lebensstil gekommen bin, antworte ich meist mit der Kurzversion meiner Allergie-Geschichte. Doch heute will ich mal von vorne beginnen. Noch nie zuvor habe ich meine vollständige Story geteilt.

Und plötzlich ist sie tot…

Ich werde nicht bei meiner Geburt anfangen. Das wäre dann doch zu weit ausgeholt. In meiner Jugend war ich regelrecht besessen von Schreiben und Zeichnen. Beides wollte ich unbedingt in meinem späteren Beruf vereinen. Nun, als ich in der 11. Klasse des Gymnasiums war, erhielt meine Mutter Anfang Dezember 2006 einen Anruf, dass ihre Mama in den Philippinen gestorben ist. Sie brach nervlich zusammen. Wenige Tage vor Weihnachten flog sie nun in ihre Heimat, um der Beerdigung ihrer Mutter beizuwohnen. Das Letzte, an das ich mich erinnere, ist, dass sie mir noch einen Kuss gab und “auf Wiedersehen” sagte. Es war 4 Uhr morgens, ich war im Halbschlaf und brummte nur zurück. Am 27.12.2006 kam dann ein Anruf meiner Tante aus den Philippinen. Meine Mama hatte einen Hirnschlag. Einen Tag nach der Beerdigung ihrer Mutter. Sie lag noch eine Woche im Koma, bis sie am 03.01.2007 an ihren Hirnblutungen verstarb.

Sie war tot. Ich fiel in ein riesen großes schwarzes Loch. Die drei Wochen auf den Philippinen, die mein Vater und ich dort verbrachten, nahm ich wie durch einen Schleier wahr. Ich habe kaum noch eine Erinnerung an diese Zeit.

Wenn der Vater durchdreht

Ende Januar waren mein Vater und ich wieder Zuhause in Deutschland. Wir waren beide psychisch am Ende. Was ich heute noch nicht verstehe: Am 14.02.2007 hatte er wieder eine “Online Freundin”. Eine Filippina aus einer Partnerbörse, mit der er per Mail schrieb. Das “Beste” an der Sache war: Ich musste jede seiner Mails Korrektur lesen. Er holte mich dafür um 4 Uhr morgens aus dem Bett und um 6 Uhr musste ich mich für die Schule fertig machen. Ich durfte also den Haushalt machen, für die Schule und das Abitur lernen und seine Liebschaft ertragen. Dadurch, dass ich mir selbst schwer tat, den Tod meiner Mutter zu verarbeiten, hatte ich eine depressive Phase, in der ich wild Partys feierte und einige kurze Beziehungen hatte. Nach einem halben Jahr wurde es mir zu viel und ich zog zu meiner Oma.

Krankheit, ein Lichtblick und erneuter Abschied

Meine Oma pflegte ihren kranken Mann. Mein Opa hatte mit Anfang 40 seinen ersten Hirnschlag und lebte rund 35 Jahre mit immer wiederkehrenden kleinen Hirnschlägen. Ich kannte ihn zu meinen Lebzeiten nur krank. Ich bewundere meine Oma für ihre Stärke, ihr Durchhaltevermögen und ihre bedingungslose Liebe zu ihm. Kurze Zeit nachdem ich zu meiner Oma gezogen war, lernte ich meinen heutigen Mann kennen und lieben. Er gab mir den Rückhalt, den ich in dieser Phase so dringend brauchte. Im Juni 2008 verstarb mein Opa dann nach langer Krankheit. Mein Vater machte weiter mit seiner Online-Liebschaft und heiratete sie im August 2008 auf den Philippinen. Wir redeten zu dem Zeitpunkt kaum noch ein Wort miteinander.

Berufsorientierung

2009 folgte dann das Abitur bei mir, auf das ich eigentlich gar keine Lust mehr hatte. Dadurch, dass ich privat viele “psychische Kämpfe” mit mir selbst ausfocht, hatten meine Leistungen, vor allem in den Naturwissenschaften extrem nachgelassen (und das mit Leistungskurs Physik…). Ich ging ohne Vorbereitungen in die Abiturprüfungen und bestand trotzdem mit 3,1. Mehr wollte ich auch nicht. Nur bestehen. Anfangs wollte ich auf keinen Fall studieren. Bloß nicht noch länger sinnlos die Schulbank drücken. Das war mein Gedanke. Daher bewarb ich mich auf einige kaufmännische Ausbildungen. Angenommen habe ich dann einen Ausbildungsplatz zur Groß- und Außenhandelskauffrau. Das hielt genau drei Monate. Nach der Probezeit habe ich mich aus dem Unternehmen wieder verabschiedet. Dieses reine Umsatz- und Gewinndenken ist bis heute nichts für mich und absolut gegen meine persönlichen Werte. Im Anschluss habe ich mich um Praktika im Kindergarten und in der Schule bemüht. Dort spürte ich, dass ich eine sehr ausgeprägte soziale Ader besitze. Mein ursprünglicher Plan war es, mich für einen Ausbildungsplatz an einer Erzieherschule zu bewerben. Tja, ich verschlief die Bewerbungsfrist und musste mich anderweitig umsehen. Darum bewarb ich mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Kitas und Schulen. Und an der mir vorher so verhassten Universität. Ohne zu lügen: Ich hätte jeden FSJ-Platz bekommen, auf den ich mich beworben habe. Letztendlich hat die Universität mir eine Zusage für einen Studienplatz gegeben und ich habe mich dort immatrikuliert.

Ein traumhafter Aufstieg in die Wissenschaft

Es dauerte nicht lange und ich mutierte zum totalen Uni-Überflieger. Das Vordiplom in Erziehungswissenschaft legte ich mit 1,0 ab. Ich war Tutorin für Statistik und brachte den Erstsemestern über drei Jahre lang die Grundlagen im wissenschaftlichen Arbeiten bei. Ich besuchte eine Autumn-School an der Humboldt-Universität in Berlin und hatte zwei Studentenjobs an der Uni, sogar mit eigenem Büro. Ja, ich fühlte mich toll. Die ganze Aufmerksamkeit, das viele Lob. Da nahm ich Arbeitszeiten von morgens um 8 bis 14 Uhr und dann abends nochmal um 20 Uhr und ab und zu auch am Wochenende gerne hin.

Der Anfang vom Umbruch

Anfang Dezember 2014 kriselte es das erste Mal richtig in meiner Beziehung (Ehe seit August 2010) und mein Vater hatte erste schwere gesundheitliche Probleme. Er hatte eine Netzhautablösung und musste deswegen operiert werden. Ja, wenn es ihm schlecht ging, wusste er, dass er noch eine Tochter hat. Im Februar 2015 wurde ich schwanger. In der Krise, in der wir beziehungstechnisch steckten, nicht unbedingt die beste Ausgangslage. Aber wir haben uns wieder zusammen gerauft und im September 2015 unsere Tochter begrüßt. Im Juli 2015 stellte ich meine ganzen Uniaktivitäten ein. Eigentlich hätte ich im September einen Lehrauftrag übernehmen sollen. Diesen habe ich selbstverständlich abgesagt. Unser Leben drehte sich vorerst um unsere neue Erdenbürgerin.

Diagnose Krebs

Während unsere Tochter wuchs, kam ein erneuter Rückschlag. Mein Vater erhielt die Diagnose Krebs. Es wurde durch eine Metastase im Gehirn festgestellt. Der Herd lag in der Lunge. Mein Vater hatte seit seiner erneuten Heirat vor allem mit seiner Arbeit zu tun. Er stand um 4 Uhr morgens auf, war um 5 Uhr in der Firma und kam abends um 20 Uhr nach Hause. Er rauchte schon fast sein ganzes Leben viel. In Kombination mit dem Stress der Arbeit wundert es mich nicht, dass er krank wurde. Er hatte noch 1,5 Jahre zu leben, bis er den Kampf gegen den Krebs verlor. Auch wenn wir seit 10 Jahren ein zerrüttetes Verhältnis hatten, hat es mich schwer getroffen und erneut in eine depressive Phase gerissen, die ich noch nicht ganz überwunden habe.

Meine Veränderungen

Doch wie haben mich diese Erfahrungen geprägt?

Kaum war ich 2007 von Zuhause ausgezogen, sind zahlreiche Allergien bei mir ausgebrochen, Heuschnupfen, inklusive Neurodermitis. Ich habe bis 2012 gebraucht, bis ich diese richtig in den Griff bekam. Das Zauberwort hieß für mich vegane Ernährung. Sie hat einen Großteil meiner Beschwerden eliminiert. Durch sie hatte ich in meiner Workaholic-Phase genug Energie, um regelmäßig eine high Performance an der Universität abzuliefern. Durch die Schwangerschaft und Mutterschaft habe ich gemerkt, dass Arbeit nicht das Wichtigste im Leben ist. Die Krankheit und der Tod meines Vaters haben mir vor Augen geführt, wohin der Arbeitsfleiß führen kann. Ich begann über den Sinn und Unsinn von Angestelltenjobs, Arbeitsplätzen und das Bildungssystem, das will, dass wir solchen Arbeiten nachgehen, nachzudenken. In dieser Phase stecke ich auch aktuell noch. Ich hätte mein Studium gerne abgebrochen, weil es für mich keinen Sinn mehr macht. Doch da ich bereits einen Teil der Abschlussprüfungen abgelegt habe, muss ich auch die verbleibenden Prüfungen ablegen. Nur das zweimalige Durchfallen würde mich davon befreien. Aber sämtliche Personen um mich herum, inklusive der Universität, animieren mich dazu, mein Studium erfolgreich zu Ende zu bringen. Denn schleßlich “ist man in Deutschland ohne Zeugnis nichts wert…”.

Genau diese Denkweise finde ich zum Himmelschreien. Und weil ich dieses Denken nicht weiter unterstützen will und kann, werde ich auch nie als “offizielle Pädagogin des Systems” arbeiten. Viel mehr beschäftigen mich die Dinge, die aktuell auf der Welt vor sich gehen und welche Zukunft ich meiner Tochter hinterlassen werde.

Mein aktueller Weg

Mein komplettes Mindset wurde auf den Kopf gestellt. Ich habe mich dafür entschieden, mich für eine Welt einzusetzen, die auch in 20 Jahren noch lebenswert ist. Veganismus, Zero Waste, die Plastikproblematik, Konsumkritik, Minimalismus, Nachhaltigkeit, die Arbeitswelt von morgen und die Digitalisierung. Das sind meine Themen. Darüber lerne und schreibe ich. Dazu brauche ich weder einen Lehrer noch ein Zeugnis, das mir dieses Wissen bescheinigt. Ich habe mich ganz bewusst für den veganen Weg entschieden. Er hilft mir auch mit meinen depressiven Phasen, die immer wieder mal hoch kommen, besonders in ruhigen Momenten, besser umzugehen.

Wenn ich etwas über das Leben gelernt habe, dann dass es nicht ewig andauert und auch ganz plötzlich zu Ende sein kann. Darum mache ich nun die wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben. Dazu gehört ganz sicher nicht meine meiste Zeit in einem Büro zu verbringen und für jemand anderen und für dessen Ziele zu arbeiten.


FARAH IST EINE 28 JÄHRIGE ONLINEUNTERNEHMERIN UND BLOGGERIN, MUTTER EINER TOCHTER UND LEBT VEGAN. AUF HTTPS://WWW.GREENFULSPIRIT.COM BLOGGT SIE UNTER ANDEREM ÜBER DEN VEGANEN LEBENSSTIL.

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